Was Fudokan bedeutet.
Fudokan setzt sich aus drei japanischen Schriftzeichen zusammen: 不 (fu, „nicht“), 動 (dō, „bewegen“) und 館 (kan, „Haus“ oder „Halle“). Fudō heißt unbeweglich, standhaft, unerschütterlich. Zusammen ergibt das ein „Haus auf festem Fundament“, in den Worten des Begründers ein Haus mit stabilem, solidem Fundament aus Granit.
Liest man Fudo Kan anders, steht es auch für „unveränderliche Weisheit“. Der Zen-Gelehrte D. T. Suzuki deutete den Begriff als geistiges Gleichgewicht, also die Fähigkeit, auch unter Druck ruhig zu bleiben.
Der Name hat eine Vorgeschichte: Ilija Jorgas Lehrer Taiji Kase leitete in Paris den „Fudo Karate Club“, wo Jorga Anfang der 1970er-Jahre trainierte. Aus Fudo und Kan setzte Jorga den Namen seines Stils dann selbst zusammen.
Das Fudokan-Wappen: Tiger, Adler, Bäume, Wellen.
Das Wappen des Fudokan erinnert an ein mittelalterliches Schild. Für Ilija Jorga ist das kein Zufall: Fudokan soll Werte verteidigen, die Tradition und die eigenen Schüler.
In der Mitte steht vor einer roten Sonne ein Tiger. Er stammt aus dem bekannten Porträt von Gichin Funakoshi, dem Begründer des Shotokan, und steht für ihn. Über dem Tiger schwebt ein Adler. Ihn hat Jorga im Gedanken an Funakoshis Sohn Yoshitaka gestaltet, den er seinen geistigen Mentor nennt: Yoshitaka habe das Karate „über die Erde erhoben“.
Die Mähne des Tigers besteht aus hundertjährigen Bäumen, unter ihm rollen die Wellen des Pazifiks. Dahinter steckt ein Grundsatz des Stils: Im Angriff sollst du sein wie die Wellen des Pazifiks, in der Abwehr stark wie hundertjährige Bäume. Kurz gesagt steht der Tiger für die Wurzeln, der Adler für den Aufbruch, die Bäume für Stabilität und die Wellen für Bewegung. Zusammen verkörpern die Symbole den Lehrer und seine Lehre, und unten im Schild steht das Gründungsjahr 1980.
Wie Fudokan entstand.
Fudokan wuchs aus dem Shotokan. Ilija Jorga trainierte seit 1959 Karate, gewann mehrere Europameistertitel und lernte bei den großen japanischen Lehrern seiner Zeit. Je länger er unterrichtete, desto mehr störte ihn, dass Karate oft nach dem Prinzip „nicht anfassen, nicht hinterfragen, einfach üben“ weitergegeben wurde, für 15-Jährige genauso hart wie für 55-Jährige.
Als Arzt wollte er wissen, warum eine Technik funktioniert und was sie mit dem Körper macht. Gemeinsam mit seinen neun ältesten Schülern beschloss er, einen eigenen Stil zu schaffen: die Werte des Shotokan verbunden mit moderner Wissenschaft, dazu die offenen Handtechniken der alten Okinawa-Schulen, die im Shotokan kaum noch geübt wurden. Am 15. November 1980, seinem 40. Geburtstag, stellte Ilija Jorga Fudokan in Zürich vor.
In traditionellen Kreisen stieß das zunächst auf Widerstand, manche sahen darin einen Verrat. Jorga sah es anders: Es gehe nicht um Revolution, sondern um Evolution. Organisatorisch und geistig blieb Serbien das Zentrum des Stils, sein Bruder Vladimir unterstützte ihn bei jedem Schritt.




Ilija Jorga in jungen Jahren: am Meer, beim Fauststoß, mit Trainingspartnern und mit japanischen Meistern · Quelle: World Fudokan Federation
















