Was Goju-Ryu bedeutet: die Kanji 剛柔流.
Goju-Ryu setzt sich aus drei Schriftzeichen zusammen: 剛 (go, hart), 柔 (ju, weich) und 流 (ryu, Strömung, Stil, Schule). Hart steht dabei für geschlossene Fäuste und gerade Angriffe, weich für offene Hände und kreisende Bewegungen. Beides soll sich im Stil ergänzen.
Der Vers aus dem Bubishi. Das Bubishi ist eine Sammlung von Texten und Zeichnungen zur südchinesischen Kampfkunst, die im 19. Jahrhundert nach Okinawa gelangte. Darin steht ein Gedicht aus acht Zeilen, das Hakku Kenpo. Die dritte Zeile lautet 法剛柔呑吐, sinngemäß: Das Gesetz ist hart und weich, ist Einatmen und Ausatmen. Aus dieser Zeile nahm Chojun Miyagi den Namen für seinen Stil.
Wie der Name entstand. Erzählt wird es so: Bei einer großen Kampfkunstvorführung in Japan wurde Miyagis Schüler Jin’an Shinzato gefragt, welchen Stil er zeige. Er hatte keine Antwort und sagte spontan „halb hart“. Danach wählte Miyagi den Namen Goju-Ryu. Ob das 1929 oder 1930 war, ist in den Quellen umstritten. Gedruckt erscheint der Name zum ersten Mal 1931.
Kanryo Higaonna und das Naha-te.
Die Wurzeln des Goju-Ryu liegen in Naha, der Hafenstadt Okinawas. Dort wurde Kanryo Higaonna am 10. März 1853 geboren. Als junger Mann ging er nach Fuzhou in Südchina, um Kampfkunst zu lernen. Wann genau er aufbrach, ist nicht sicher, genannt werden 1870 und 1873. Er blieb viele Jahre.
Sein wichtigster Lehrer in China wird meist Ryu Ryu Ko genannt. Wer das genau war, ist ungeklärt. Higaonna selbst konnte nicht schreiben, vieles über seine Zeit in China ist nur mündlich überliefert.
Zurück auf Okinawa unterrichtete er einen Stil, der harte und weiche Techniken verband. Man nannte ihn nach der Stadt Naha-te, die „Hand aus Naha“. 1905 brachten er und Anko Itosu Karate erstmals öffentlich an Okinawas Schulen, Higaonna unterrichtete an der Handelsschule in Naha. Zu Higaonnas Schülern gehörten neben Chojun Miyagi auch Kenwa Mabuni, der spätere Begründer des Shito-Ryu. Higaonna starb 1915, manche Quellen nennen 1916.
Chojun Miyagi gibt dem Stil seine Form.
Chojun Miyagi wurde am 25. April 1888 in Naha geboren. Als Jugendlicher kam er zu Kanryo Higaonna und blieb bis zu dessen Tod sein Schüler. Ab 1915 reiste er selbst mehrfach nach China, um die Wurzeln des Naha-te zu suchen.
Miyagi ordnete, was er gelernt hatte, und baute daraus ein System. Er entwickelte die weiche Kata Tensho als Gegenstück zur harten Sanchin und um 1940 die Einstiegsformen Gekisai für den Schulsport. Er unterrichtete auf Okinawa, auf dem japanischen Festland und Mitte der 1930er-Jahre auch auf Hawaii.
1933 erkannte der Dai Nippon Butokukai, die große Dachorganisation der japanischen Kampfkünste, Goju-Ryu als Budo an. Miyagi starb am 8. Oktober 1953 in Naha. Seine Schüler wählten im Februar 1954 Eiichi Miyazato zu seinem Nachfolger. Nicht alle Quellen erkennen eine offizielle Nachfolge an, und Goju-Ryu entwickelte sich auf Okinawa in mehreren Schulen weiter.
Gogen Yamaguchi und das Goju-Kai.
Nach Japan kam Goju-Ryu vor allem über Kyoto. Gogen Yamaguchi, geboren 1909, gründete 1929 an der Ritsumeikan-Universität einen Karateklub und begleitete Miyagi, wenn dieser in der Region Kansai unterrichtete. Von Miyagi erhielt er auch seinen Namen Gogen.
Nach dem Krieg baute Yamaguchi in Tokio das Goju-Kai auf. 1950 entstand der All Japan Karate-do Goju-Kai mit Miyagi als Ehrenvorsitzendem, 1965 folgte ein internationaler Verband. Das Goju-Kai ergänzte den Lehrplan unter anderem um Taikyoku-Formen für Einsteiger. Yamaguchi war wegen seines gleitenden Gangs und seiner langen Haare als „die Katze“ bekannt. Er starb im Mai 1989, sein Sohn Goshi Yamaguchi leitet heute den internationalen Goju-Kai.


