Selbstverteidigung beginnt, bevor es brenzlig wird.
Die wirksamste Verteidigung ist die, die du gar nicht brauchst. Deshalb steht bei uns am Anfang nicht der Schlag, sondern die Wahrnehmung: Wer merkt, dass sich eine Situation verändert, kann früh die Straßenseite wechseln, Abstand halten oder an einen belebten Ort gehen. Genau das empfiehlt auch die Polizeiliche Kriminalprävention: aufmerksam sein, dem eigenen Gefühl trauen und bedrohlichen Situationen früh aus dem Weg gehen.
Danach kommt das Auftreten. Eine aufrechte Haltung, ein klarer Blick und eine laute, deutliche Stimme machen dich zum schlechten Ziel. Oft reicht es, laut und klar zu sprechen, damit eine Situation gar nicht erst eskaliert. Und wenn dich jemand bedrängt, sprich ihn mit „Sie“ an. Dann merken Umstehende, dass es kein privater Streit ist, und du bekommst leichter Hilfe.
Erst wenn all das nicht greift, ist die körperliche Verteidigung dran: kurz, entschlossen, mit dem Ziel, dich zu lösen und wegzukommen. Gewinnen musst du dabei nicht. Bei einem Messer gilt ohne Ausnahme: lieber flüchten als kämpfen.
Realitätsnah heißt: Stress, Überraschung, wechselnde Partner.
Im ruhigen Training klappt fast jede Technik. Im Ernstfall schüttet dein Körper Adrenalin aus, der Blick wird eng, die Feinmotorik lässt nach. Was du nur ein paarmal geübt hast, ist dann oft nicht abrufbar. Deshalb trainieren wir so, dass es dem Ernstfall möglichst nahekommt, ohne dass jemand zu Schaden kommt:
- Stress: Übungen unter Zeitdruck, nach Belastung, mit Lärm oder wenig Platz.
- Überraschung im vereinbarten Rahmen: Du weißt, dass eine Übung kommt, aber nicht, welcher Angriff und von welcher Seite. Niemand wird ohne Ankündigung überfallen, und jede Übung ist freiwillig.
- Wechselnde Partner: groß und klein, leicht und schwer, vorsichtig und forsch. Wer nur mit demselben Partner übt, lernt diesen Partner kennen und nicht die Technik.
- Szenarien: Abläufe, die an echte Situationen angelehnt sind. Zuerst klar strukturiert, dann immer offener: vom Griff an die Schulter bis zur Bedrängung an der Bushaltestelle.
Warum ein Selbstverteidigungskurs allein nicht reicht.
Viele suchen zuerst nach einem Selbstverteidigungskurs: ein Wochenende, ein paar Griffe, fertig. Das ist ein guter Anfang, denn wer einmal gespürt hat, wie sich ein fester Griff anfühlt, geht anders durch den Alltag. Für den Ernstfall reicht es aber nicht. Auch die Polizei schreibt, dass körperliche Techniken lange geübt werden müssen, bevor man sie sicher anwenden kann.
Bewegungen werden erst dann zum Automatismus, wenn du sie über Monate wiederholst. Und erst mit der Zeit lernst du einzuschätzen, wann eine Situation kippt. Deshalb bieten wir keine Einmalkurse an, sondern regelmäßiges Training: einmal pro Woche als Grundlage, zweimal, wenn du schneller vorankommen willst. Lehrgänge und Selbstverteidigungstage vertiefen das mehrmals im Jahr.



