Was Shotokan bedeutet.
Shotokan setzt sich aus drei Schriftzeichen zusammen: 松 (shō, Kiefer), 濤 (tō, Welle, Rauschen) und 館 (kan, Halle, Haus). Shōtō, die „Kiefernwellen“ oder „rauschenden Kiefern“, war der Name, unter dem Gichin Funakoshi Gedichte schrieb. Seine Schüler benannten die Halle, in der er unterrichtete, danach: Shōtōkan, die Halle des Shoto.
Zur Stilbezeichnung wurde der Name erst durch die Schüler. Die JKA bat ihre Mitglieder 1956 sogar ausdrücklich, nicht von „Shotokan-ryū“ zu sprechen.
Der Tiger. Das bekannteste Symbol des Shotokan ist ein Tiger im Kreis. Er stammt von dem Maler Hōan Kosugi (1881–1964), einem Freund und Schüler Funakoshis, und schmückte den Einband von Funakoshis Lehrbuch Karate-Dō Kyōhan (1935). Was er genau bedeuten soll, ist nicht eindeutig überliefert. Die verbreitetste Deutung: Der Tiger schläft nie, er steht für Wachsamkeit. Viele Shotokan-Organisationen nutzen das Motiv bis heute in eigenen Varianten, auch im Wappen des Fudokan steht er für Funakoshi.
Von Okinawa nach Tokio.
Gichin Funakoshi wurde am 10. November 1868 in Shuri auf Okinawa geboren. Als Junge lernte er Karate bei Ankō Azato und Ankō Itosu, zwei der angesehensten Lehrer der Insel.
1922 reiste er nach Tokio, um Karate bei einer vom Bildungsministerium veranstalteten Ausstellung für Leibeserziehung vorzustellen. Der Judo-Begründer Jigorō Kanō lud ihn daraufhin zu einer Vorführung in den Kōdōkan ein. Im selben Jahr erschien sein erstes Buch über Karate. Funakoshi blieb in Tokio und unterrichtete an Universitäten und in Vereinen. Aus dem okinawanischen 唐手, der „China-Hand“, wurde dabei 空手, die „leere Hand“.
1924 vergab Funakoshi die ersten Dan-Grade im Karate. Am 29. Januar 1939 wurde in Tokio das erste eigene Dojo eröffnet, das Shōtōkan (manche Quellen nennen 1936). Am 29. April 1945 brannte es bei einem Luftangriff auf Tokio nieder.
Yoshitaka Funakoshi und die JKA.
Gichins Sohn Yoshitaka (auch Gigō, 1906–1945) prägte das Shotokan technisch vielleicht stärker als sein Vater. Auf ihn gehen tiefe Stände wie der Reiterstand Kiba-dachi und der Rückwärtsstand Kōkutsu-dachi in den Kata zurück, dazu hohe Tritte wie Mawashi-geri und Yoko-geri und ein stärkerer Einsatz der Hüfte. Außerdem förderte er das freie Kämpfen.
Yoshitaka litt seit seiner Kindheit an Tuberkulose und starb am 24. November 1945 mit 39 Jahren, wenige Monate nach der Zerstörung des Dojos.
Die JKA. 1949 gründeten Schüler Funakoshis, darunter Isao Obata, Masatoshi Nakayama und Hidetaka Nishiyama, die Japan Karate Association. Funakoshi wurde Ehren-Cheftrainer, Nakayama Cheftrainer. Nakayama machte aus dem Karate ein systematisch lehrbares Fach: 1956 startete die JKA das erste Ausbildungsprogramm für hauptberufliche Karatelehrer, die Kenshusei. Die Absolventen wurden in alle Welt geschickt und bauten dort Shotokan-Gruppen auf. 1957 erkannte das japanische Bildungsministerium die JKA offiziell an. Im selben Jahr starb Gichin Funakoshi, am 26. April in Tokio.













